Der Begriff „Beinaheunfallmanagement“ bezeichnet die systematische Erfassung, Untersuchung und Auswertung von Ereignissen, bei denen es beinahe zu einer Verletzung, einem Sachschaden, einem Umweltschaden oder einer anderen unerwünschten Folge gekommen wäre. Ziel ist es, Gefahren und Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, Ursachen zu beseitigen und vorbeugende Maßnahmen einzuleiten, bevor ein tatsächlicher Unfall eintritt. Beinaheunfallmanagement ist insbesondere Bestandteil des betrieblichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzes.
Erfassung von Beinaheunfällen: Strukturierte Dokumentation von Ereignissen mit Angaben zu Zeitpunkt, Ort, beteiligten Bereichen, Gefährdung und möglicher Schadensfolge.
Mobile Meldung: Erfassung von Beinaheunfällen direkt vor Ort über Smartphones oder Tablets, beispielsweise einschließlich Fotos und ergänzender Kommentare.
Kategorisierung und Klassifizierung: Einordnung gemeldeter Ereignisse nach Gefährdungsart, Arbeitsplatz, Prozess, Standort, möglicher Schadensschwere oder anderen betrieblichen Kriterien.
Risikobewertung: Bewertung des Gefährdungspotenzials eines Beinaheunfalls anhand definierter Kriterien wie Eintrittswahrscheinlichkeit und möglicher Auswirkungen.
Ursachenanalyse: Systematische Untersuchung der unmittelbaren und grundlegenden Ursachen eines Ereignisses, beispielsweise mithilfe von Root-Cause-Analysen, 5-Why-Methoden oder Ursache-Wirkungs-Diagrammen.
Maßnahmenmanagement: Ableitung, Zuweisung und Nachverfolgung von Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen zur Beseitigung erkannter Gefahrenquellen.
Fristen- und Verantwortlichkeitsmanagement: Festlegung von Verantwortlichen, Bearbeitungsfristen und Eskalationen für Untersuchungen und daraus resultierende Maßnahmen.
Benachrichtigungen und Workflows: Automatische Weiterleitung von Meldungen an zuständige Personen sowie Benachrichtigungen bei neuen Ereignissen, Statusänderungen oder überfälligen Maßnahmen.
Anonyme oder vertrauliche Meldungen: Möglichkeit zur Meldung von Beinaheunfällen ohne Veröffentlichung personenbezogener Angaben, sofern dies durch den betrieblichen Meldeprozess vorgesehen ist.
Auswertungen und Trendanalysen: Analyse wiederkehrender Ereignisse, Gefahrenbereiche, Ursachen und Risikoschwerpunkte, um Präventionsmaßnahmen gezielt zu planen.
Dashboards und Kennzahlen: Übersicht über Anzahl und Art der Beinaheunfälle, offene Maßnahmen, Bearbeitungsstände und Entwicklungen über bestimmte Zeiträume.
Dokumentation und Historie: Nachvollziehbare Speicherung von Meldungen, Bewertungen, Untersuchungen, Änderungen und abgeschlossenen Maßnahmen.
Ein Gabelstapler und ein Mitarbeiter kreuzen sich in einem Lagerbereich mit geringem Abstand, ohne dass es zu einer Kollision oder Verletzung kommt. Der Vorfall wird gemeldet, analysiert und führt zu einer Anpassung der Verkehrswege.
Ein Werkzeug fällt von einer Arbeitsplattform und verfehlt einen darunter arbeitenden Mitarbeiter nur knapp. Die Software dokumentiert den Beinaheunfall und unterstützt die Nachverfolgung zusätzlicher Sicherungsmaßnahmen.
Ein Mitarbeiter rutscht auf einem nassen Boden aus, kann sich jedoch abfangen und bleibt unverletzt. Die Meldung führt zur Untersuchung der Ursache und zu verbesserten Reinigungs- und Absicherungsmaßnahmen.
Bei Wartungsarbeiten wird eine Maschine unerwartet in einen betriebsbereiten Zustand versetzt, ohne dass eine Person verletzt wird. Das Ereignis wird untersucht und die betreffenden Sicherheits- und Freigabeprozesse werden überprüft.
In einem Produktionsbereich tritt eine geringe Menge eines Gefahrstoffs aus, wird jedoch rechtzeitig bemerkt und eingedämmt, bevor Personen oder Umwelt beeinträchtigt werden. Der Vorfall wird erfasst und zur Verbesserung technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen ausgewertet.