Unter „Vorwärts- und Rückwärtsterminierung“ versteht man zwei grundlegende Verfahren der Terminplanung, die insbesondere in der Produktionsplanung, Fertigungssteuerung, Projektplanung und Ressourcenplanung eingesetzt werden. Bei der Vorwärtsterminierung wird ausgehend von einem frühestmöglichen Starttermin berechnet, wann einzelne Arbeitsgänge und der gesamte Auftrag abgeschlossen werden können. Bei der Rückwärtsterminierung wird dagegen von einem vorgegebenen Fertigstellungs- oder Liefertermin rückwärts gerechnet, um den spätestmöglichen Startzeitpunkt und die erforderlichen Termine der einzelnen Arbeitsschritte zu bestimmen.
Vorwärtsterminierung: Berechnung der frühestmöglichen Start- und Endtermine von Arbeitsgängen, Aufträgen oder Projekten ausgehend von einem definierten Startzeitpunkt.
Rückwärtsterminierung: Berechnung der spätestmöglichen Starttermine einzelner Arbeitsschritte ausgehend von einem vorgegebenen End-, Fertigstellungs- oder Liefertermin.
Durchlaufzeitberechnung: Ermittlung der voraussichtlichen Gesamtdauer eines Auftrags unter Berücksichtigung von Bearbeitungs-, Rüst-, Transport-, Warte- und Übergangszeiten.
Arbeitsgangterminierung: Zeitliche Planung aufeinanderfolgender Arbeitsgänge entsprechend ihrer Abhängigkeiten und Reihenfolge.
Kapazitätsabgleich: Berücksichtigung verfügbarer Maschinen, Anlagen, Arbeitsplätze oder Personalressourcen bei der Terminberechnung.
Materialverfügbarkeitsprüfung: Prüfung, ob benötigte Materialien, Komponenten oder Baugruppen zu den geplanten Terminen verfügbar sind.
Puffer- und Übergangszeiten: Einplanung von Sicherheitszeiten, Wartezeiten und zeitlichen Abständen zwischen einzelnen Vorgängen oder Produktionsschritten.
Terminverschiebung und Neuterminierung: Automatische oder manuelle Neuberechnung von Terminen bei Verzögerungen, Prioritätsänderungen, Kapazitätsengpässen oder geänderten Lieferterminen.
Engpass- und Konflikterkennung: Identifikation von Terminüberschneidungen, Kapazitätsproblemen und Situationen, in denen vorgegebene Fertigstellungs- oder Liefertermine nicht eingehalten werden können.
Grafische Terminplanung: Visualisierung der berechneten Termine und Abhängigkeiten beispielsweise in Plantafeln, Gantt-Diagrammen oder Produktionsleitständen.
Ein Produktionsunternehmen erhält einen Fertigungsauftrag, der frühestens am Montag beginnen kann. Mithilfe der Vorwärtsterminierung berechnet die Software anhand aller erforderlichen Arbeitsgänge den frühestmöglichen Fertigstellungstermin.
Ein Kunde erwartet eine Maschine zu einem fest vereinbarten Liefertermin. Die Rückwärtsterminierung berechnet vom gewünschten Lieferdatum ausgehend, wann Montage, Fertigung, Materialbereitstellung und Beschaffung spätestens beginnen müssen.
Bei einem Fertigungsauftrag fällt eine Maschine kurzfristig aus. Die Software verschiebt betroffene Arbeitsgänge und führt eine erneute Vorwärts- oder Rückwärtsterminierung durch.
Ein Unternehmen prüft vor Annahme eines Auftrags, ob der gewünschte Liefertermin eingehalten werden kann. Durch eine Rückwärtsterminierung und den Abgleich mit verfügbaren Ressourcen erkennt das System mögliche Termin- oder Kapazitätskonflikte.
In einem Projekt werden voneinander abhängige Aufgaben rückwärts vom festgelegten Endtermin geplant, um zu ermitteln, bis wann jede Aufgabe spätestens abgeschlossen sein muss.