Der Begriff „Rohwarenabrechnung“ bezeichnet die mengen- und wertmäßige Abrechnung von angelieferten oder übernommenen Rohwaren auf Basis vereinbarter Mengen-, Qualitäts- und Preisparameter. Sie wird vor allem in Bereichen eingesetzt, in denen Rohwaren nicht allein nach der angelieferten Bruttomenge vergütet werden, sondern zusätzlich Analysewerte, Qualitätsmerkmale, Trocknung, Besatz, Schwund oder sonstige Zu- und Abschläge in die Preisermittlung einfließen.
Typisch für die Rohwarenabrechnung ist, dass die bewegte bzw. angelieferte Menge nicht immer der abrechnungsrelevanten Menge entspricht. Die Software bildet dafür Abrechnungsschemata ab, verarbeitet Qualitätsdaten und berechnet auf dieser Grundlage automatisch Zu- oder Abschläge auf Menge, Preis oder Vergütung.
Erfassung von Anlieferungen und Wiegedaten: Aufnahme von Rohwarenanlieferungen einschließlich Lieferant, Artikel, Menge, Brutto-/Nettogewicht und Lagerbezug.
Übernahme von Qualitäts- und Analysedaten: Verarbeitung von Mess- und Analysewerten wie Feuchte, Proteingehalt, Hektolitergewicht, Ölgehalt oder Fett- und Eiweißgehalt.
Verwaltung von Rohwarengruppen und Abrechnungsschemata: Zuordnung von Artikeln zu Rohwarengruppen sowie Definition der jeweils gültigen Abrechnungslogik.
Automatische Zu- und Abschlagsberechnung: Ermittlung qualitätsabhängiger Zu- oder Abschläge auf Preis oder Menge anhand von Tabellen, Formeln und Grenzwerten.
Abschlags-, Folgeabschlags- und Endabrechnungen: Unterstützung verschiedener Abrechnungsstufen von der ersten Abschlagszahlung bis zur finalen Abrechnung.
Kontrakt- und Preisverwaltung: Berücksichtigung von Kontrakten, Ausgangspreisen, Mindestpreisvereinbarungen oder weiteren preisrelevanten Nebenbedingungen.
Kosten- und Vergütungssätze: Einbindung zusätzlicher Kosten- oder Vergütungspositionen, etwa für Trocknung, Transport, Lagerung oder sonstige Leistungen.
Beleg- und Dokumentenerstellung: Erstellung von Rohwarebelegen, Abrechnungen, Sammelabrechnungen und ausgabefähigen Nachweisen für Lieferanten und interne Prozesse.
Auswertungen und Reporting: Analyse von Rohwarebelegen, Mengen, Qualitätswerten, Kontrakten und Abrechnungsergebnissen für Controlling und Nachkalkulation.
Getreideabrechnung: Ein Agrarhändler rechnet angelieferten Weizen nicht nur nach Gewicht, sondern auch nach Qualitätsparametern wie Feuchte, Hektolitergewicht, Proteingehalt und Fallzahl ab.
Rapsabrechnung: Die Vergütung von Raps erfolgt auf Basis der Liefermenge sowie Qualitätskriterien wie Ölgehalt, Feuchte und Besatz; daraus ergeben sich Zu- oder Abschläge.
Rohmilchabrechnung: Eine Molkerei berechnet den Auszahlungspreis für Rohmilch anhand der gelieferten Menge sowie nach Fett- und Eiweißgehalt und weiteren Gütekriterien wie Keimzahl, Zellzahl oder Hemmstoffnachweisen.