Software > IT-Sicherheit > Datenschutz > Artikel > Von Excel zum Datenschutzmanagementsystem

Von Excel zum Datenschutzmanagementsystem


Wann DSMS-Software für Unternehmen wirklich sinnvoll wird

Warum Excel beim Datenschutz oft “plötzlich” nicht mehr reicht

Datenschutz ist keine reine Dokumentationsaufgabe. Die DSGVO verlangt nicht nur, dass Unternehmen deren Vorgaben einhalten, sie müssen die Einhaltung auch nachweisbar und strukturiert belegen. Genau hier geraten die Zuständigen mit Excel-Listen und Word-Vorlagen häufig an ihre Grenzen: Sobald mehrere Personen beteiligt sind und die Verarbeitungstätigkeiten zunehmen oder eine Prüfung ansteht, zeigen sich Versionierungsprobleme oder auch Lücken in der Dokumentation. Dann ist meist ein hoher manueller Aufwand erforderlich, um belastbare Nachweise zu erbringen.

Ein Datenschutzmanagementsystem (DSMS) schafft dafür eine klare Struktur. Und ab einer gewissen Größe oder Komplexität wird aus “nice to have” ein effizienter und risiko-reduzierender Standardprozess und das oft mit messbarem ROI.

Was ist ein Datenschutzmanagementsystem?

Definition: DSMS ist mehr als ein Tool

Ein Datenschutzmanagementsystem ist ein organisatorisches Rahmenwerk, mit dem Unternehmen Datenschutz dauerhaft, nachvollziehbar und wiederholbar umsetzen. Es verbindet Verantwortlichkeiten, Prozesse, Dokumentation, Kontrollen und Verbesserungsmaßnahmen und kann durch Software unterstützt werden.

Wichtig ist die Unterscheidung:

  • DSMS = System aus Prozessen + Rollen + Nachweisen + kontinuierlicher Verbesserung

  • DSMS-Software = Werkzeug, um diese Elemente effizient zu steuern, zu dokumentieren und auditfähig zu machen

DSMS in der Praxis: PDCA-Zyklus als Leitmodell

Viele DSMS orientieren sich am PDCA-Zyklus (Plan–Do–Check–Act). Das sorgt dafür, dass Datenschutz nicht “einmalig” dokumentiert wird, sondern als laufender Managementprozess funktioniert:

  • Plan: Risiken bewerten, Maßnahmen planen, Verantwortlichkeiten definieren

  • Do: Maßnahmen umsetzen (z. B. TOMs, Schulungen, Prozesse)

  • Check: Wirksamkeit prüfen (Kontrollen, Stichproben, Reviews)

  • Act: Verbesserungen ableiten und dokumentieren

Typische Bausteine eines Datenschutzmanagementsystems

Ein DSMS bündelt typischerweise folgende Module und Nachweise:

Typische Bausteine eines Datenschutzmanagementsystems

  • Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (VV): Zwecke, Kategorien, Rechtsgrundlagen, Empfänger, Aufbewahrung, TOM-Verknüpfungen

  • Technische und organisatorische Maßnahmen (TOM): Maßnahmenkatalog inkl. Verantwortlichen, Umsetzungsstatus, Prüfintervallen

  • Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA): Risikoanalyse, Maßnahmenplan, Freigabeprozess

  • Betroffenenrechte: Prozesse für Auskunft, Löschung, Berichtigung, Widerspruch inkl. Fristen-Tracking

  • Auftragsverarbeitung: AV-Verträge, Dienstleisterliste, Prüf- und Freigabelogik

  • Schulungen & Awareness: Nachweisbarkeit, Erinnerungen, Quote

  • Vorfall- und Datenschutzpannenmanagement: Meldekette, Dokumentation, Lessons Learned

  • Lösch- und Aufbewahrungskonzept: Regeln + operative Umsetzung

  • Drittlandtransfers: Dokumentation (z. B. SCC/TIA) und Kontrollpunkte

  • Reporting: Managementberichte, Auditberichte, Export für Anfragen

Organisatorische Einbettung: Datenschutz als Teamaufgabe

Ein DSMS funktioniert nur, wenn Aufgaben nicht “am Datenschutzbeauftragten hängen bleiben”. In der Praxis braucht es eine Rollenverteilung, etwa zwischen Datenschutz, IT/Informationssicherheit und den Fachbereichen. Entscheidend ist: Jede Verarbeitungstätigkeit braucht einen Owner, der Inhalte fachlich verantwortet. Der Datenschutz steuert die Systematik.

Ab wann braucht ein Unternehmen DSMS-Software?

Die Unternehmensgröße ist kein alleiniger Maßstab, aber ein hilfreicher Indikator. Je mehr Personen und Prozesse beteiligt sind, desto wichtiger werden Versionierung, Rollensteuerung und Nachweisbarkeit.

Unternehmensphase

DSMS-Status

Typische Empfehlung

1–10 Mitarbeitende

sehr einfach, oft manuell

Vorlagen/Excel möglich

11–50 Mitarbeitende

wachsender Aufwand

strukturierte Vorlagen + klare Verantwortliche

51–250 Mitarbeitende

mehrere Bereiche, mehr Tools

Software meist sinnvoll

>250 Mitarbeitende

Audits, Standorte, mehr Risiko

Software praktisch Standard

Die Praxis-Trigger: Wann Excel typischerweise kippt

Datenschutzmanagement-Software wird besonders dann attraktiv, wenn mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • Viele Verarbeitungstätigkeiten (z. B. >15 VV-Einträge)

  • Regelmäßige DSFA-Pflichten (z. B. mehrere pro Jahr)

  • Mehrere Standorte / Mandanten / Gesellschaften

  • Viele externe Dienstleister (z. B. >10 Auftragsverarbeiter)

  • Hohe Audit-/Kundenanforderungen (Fragebögen, Nachweise, Reports)

  • Hohe Anzahl Betroffenenanfragen oder strenge interne SLAs

  • Häufige Tool-Wechsel (HR, CRM, Marketing, Kollaboration, Cloud)

Sobald Datenschutz nicht mehr “ein Dokument” ist, sondern ein koordiniertes Zusammenspiel aus Aufgaben, Fristen und Nachweisen, entsteht mit Excel ein strukturelles Risiko.

Rechtliche Auslöser: DSB-Benennung und risikoreiche Verarbeitungen

Auch rechtliche Kriterien spielen eine Rolle, z. B. die Benennungspflicht eines Datenschutzbeauftragten nach DSGVO (abhängig von Kerntätigkeit und Umfang) sowie nationale Regelungen wie in Deutschland (§ 38 BDSG: Schwelle bezogen auf Personen, die ständig automatisierte Verarbeitung durchführen). Darüber hinaus erhöhen besondere Kategorien personenbezogener Daten (z. B. Gesundheit) und systematische Überwachung den Compliance-Druck deutlich.

Excel & Word vs. DSMS-Software: Der direkte Vergleich

Skalierbarkeit & Zusammenarbeit

Excel und Word sind Einzeldateien. Das funktioniert solange gut, bis mehrere Personen gleichzeitig daran arbeiten, mehrere Standorte beteiligt sind oder Inhalte schnell aktualisiert werden müssen. DSMS-Software ist in der Regel auf Teamarbeit ausgelegt: Rollen, Aufgaben, Historie und zentrale Datenhaltung.

Kriterium

Excel/Word

DSMS-Software

VV-Einträge

begrenzt praktikabel

skalierbar

Nutzer

oft Einzelperson

rollenbasiertes Team

Standorte / Mandanten

schwierig

häufig vorgesehen

Datenkonsistenz

manuell

Validierungen / Pflichtfelder

Versionierung & Audit-Trail

In Excel entsteht schnell Versionschaos: „final“, „final_final“, „final_final_neu“. Für Audits ist das problematisch, weil Änderungen nicht sauber nachvollziehbar sind. DSMS-Software bietet typischerweise einen Audit-Trail: Wer hat wann was geändert und warum.

Auditfähigkeit & Nachweisbarkeit (der entscheidende Faktor)

Die wichtigste Frage in der Praxis lautet selten „Haben wir etwas dokumentiert?“, sondern: Können wir es schnell und belastbar nachweisen?
 Bei manuellen Ansätzen wird das schnell zu Screenshot- und Copy/Paste-Arbeit. Software erzeugt strukturierte Reports und konsistente Exporte. Dies ist besonders relevant bei Kundenanfragen, Zertifizierungen oder Behördenkommunikation.

Automatisierung: Fristen, Aufgaben, Vollständigkeit

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben:

Aufgabe

Excel

Software

Fristenmanagement

manuell

automatische Erinnerungen

Vollständigkeitsprüfung

manuell

Plausibilitätschecks

Reportgenerierung

manuell

standardisierte Exporte

Aufgabenverteilung

per E-Mail

Workflows / Tickets

Kosten & ROI: Nicht “Softwarepreis”, sondern Prozesskosten vergleichen

Der Lizenzpreis einer Software allein ist selten entscheidend. Relevant sind die internen Kosten: Zeitaufwand, Fehlerkorrekturen, Auditvorbereitung und Risikoereignisse. In vielen Unternehmen amortisiert sich DSMS-Software durch Zeitersparnis und geringere Reibungsverluste bereits im ersten Jahr, vor allem, wenn mehrere Fachbereiche beteiligt sind.

Beispiel:

Lösung

Initial

Laufend

Typischer Effekt

Excel + Vorlagen

gering

gering

hoher manueller Aufwand

DSMS-Software

mittel

mittel

weniger Suchaufwand + bessere Nachweise

Der Übergang: Vom Excel zur DSMS-Software – Schritt für Schritt

Quick-Check: Ist Ihr Unternehmen „Software-reif“?

Wenn Sie mindestens 5 von 10 Fragen mit „Ja“ beantworten, ist Software in der Regel wirtschaftlich:

  • Haben wir mehr als 15 VV-Einträge?

  • Arbeiten mehr als 2 Personen aktiv an Datenschutzdokumentation?

  • Gibt es mehrere Standorte/Gesellschaften?

  • Haben wir mehr als 10 Dienstleister/AVVs?

  • Müssen wir regelmäßig Kunden-/Auditnachweise liefern?

  • Kommen Betroffenenanfragen wiederkehrend vor?

  • Gibt es DSFA-Pflichten?

  • Ändern sich Tools/Prozesse häufig?

  • Haben wir Probleme mit Versionen und Freigaben?

  • Brauchen wir Management-Reporting auf Knopfdruck?

Datenbereinigung vor der Migration (oft der entscheidende Erfolgshebel)

Bevor Sie migrieren, lohnt sich ein kurzer „Aufräum-Sprint“:

  • VV harmonisieren (Owner, Zwecke, Kategorien, Empfänger, Aufbewahrung)

  • TOMs konsolidieren (eine gültige Version je Maßnahme)

  • Verantwortlichkeiten klären (wer pflegt, wer prüft, wer genehmigt)

Das reduziert Reibungsverluste und verhindert, dass alte Inkonsistenzen ins neue System übernommen werden.

Migrationsstrategie in 3 Phasen

Ein bewährtes Vorgehen ist die Migration in Etappen:

  • Phase 1: Fundament - VV + TOM importieren, Rollen definieren

  • Phase 2: Prozesse - Betroffenenrechte, AVV-Management, DSFA-Workflows

  • Phase 3: Betrieb - Schulungen, Reviews, Reporting, kontinuierliche Verbesserungen

Pilotprojekt: klein starten, Wirkung messen

Starten Sie mit einem Pilotbereich (z. B. HR oder Vertrieb) und definieren Sie messbare Ziele:

  • Zeitaufwand pro VV-Update

  • Durchlaufzeit für Betroffenenanfragen

  • Fehlerquote / Rückfragen

  • Audit-Readiness (z. B. Report-Erstellung in Minuten statt Tagen)

Im Ergebnis zeigt sich meist schnell, ob DSMS-Software „nur ein Tool“ ist oder ein echter Effizienz- und Risikofaktor.

Erfolgsmuster: Wann sich der Umstieg in der Praxis besonders lohnt

Case 1: Wachsendes Unternehmen (30–50 MA) - Ordnung statt Datei-Chaos

Mit zunehmender Tool-Landschaft und mehr Beteiligten wächst der Abstimmungsaufwand. DSMS-Software reduziert Suchzeiten, verhindert doppelte Pflege und schafft klare Verantwortlichkeiten.

Case 2: Mittelstand (100–250 MA) - auditfähig durch Nachvollziehbarkeit

Wenn Kundenanforderungen, Zertifizierungen oder Prüfungen zunehmen, zählt vor allem: strukturierte Nachweise, konsistente Dokumente und nachvollziehbare Änderungen.

Case 3: Datenintensive Prozesse - Fristen- und Rechte-Management

Bei regelmäßigen Betroffenenanfragen oder sensiblen Daten ist Fristenmanagement entscheidend. Software unterstützt durch Aufgabenverteilung, Erinnerungen und klare Prozessschritte.

Typische Zielwerte:

  • Dokumentationsgrad stabil >90%

  • Fristeneinhaltung ohne kritische Überschreitungen

  • Schulungsnachweise vollständig und aktuell

  • Auditberichte reproduzierbar und konsistent

Datenschutzmanagement-Software auswählen - Funktionsmatrix

 

Funktionsmatrix mit Zielgruppen

Funktionsbereich

Funktion

Muss

Soll

Kann

KMU

Konzern

Externe DSB

VVT

Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten

X

 

 

X

X

X

AVV

Auftragsverarbeitungsverträge verwalten

X

 

 

X

X

X

TOM

Technische und organisatorische Maßnahmen

X

 

 

X

X

X

Betroffenenrechte

Workflow & Fristenmanagement

X

 

 

X

X

X

Vorfälle

Incident- und Data‑Breach‑Management

X

 

 

(X)

X

X

Governance

Rollen-/Rechtemanagement, Protokollierung

X

 

 

(X)

X

X

DSFA

Geführte Datenschutz‑Folgenabschätzung

 

X

 

(X)

X

X

Vorlagen

Baustein‑Bibliothek (VVT, TOM, Texte)

 

X

 

X

X

X

Aufgaben & Maßnahmen

Aufgaben- und Maßnahmenmanagement

 

X

 

(X)

X

X

Reporting

Dashboard & Management‑Reports

 

X

 

(X)

X

X

Mandantenverwaltung

Mehrmandantenfähigkeit

 

X

 

 

X

X

Schulung & Awareness

Schulungsmodule / Nachweisverwaltung

 

X

 

X

X

(X)

Exporte

Audit- und Berichtsexporte

 

X

 

X

X

X

Integration

Schnittstellen (HR/CRM/Ticket/DMS)

 

 

X

(X)

X

(X)

Hinweisgebersystem

Integriertes Whistleblower‑Portal

 

 

X

(X)

X

(X)

GRC‑Funktionen

Erweiterte Risiko-/GRC‑Module

 

 

X

 

X

(X)

Mehrsprachigkeit

Mehrsprachige Oberfläche/Mandanten

 

 

X

 

X

(X)

API

Offene API

 

 

X

(X)

X

(X)

Lieferantenbewertung

Erweiterte Vendor‑Due‑Diligence

 

 

X

 

X

(X)

  • X = klare Relevanz für die Zielgruppe.​

  • (X) = je nach Reifegrad/Komplexität sinnvoll, aber nicht zwingend in jeder Situation.

Fazit:

Excel und Word können den Datenschutz anfangs gut abbilden, stoßen aber schnell an Grenzen, sobald mehr Verarbeitungstätigkeiten, Beteiligte, Dienstleister oder Prüfanforderungen hinzukommen. Ein DSMS macht Datenschutz zu einem dauerhaft steuerbaren Managementprozess nach dem PDCA-Prinzip und schafft klare Rollen, nachvollziehbare Nachweise sowie verlässliche Workflows. DSMS-Software lohnt sich vor allem dann, wenn Fristen, Auditfähigkeit und Zusammenarbeit entscheidend werden: Sie reduziert manuellen Aufwand, minimiert Risiken und verbessert die Transparenz. Wer strukturiert migriert und mit einem Pilot startet, erreicht meist schnell messbare Effekte bei Effizienz und Compliance.

 

Abkürzungen:
DSGVO: Datenschutzgrundverordnung
VVT: Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten
AVV: Abfallverzeichnis-Verordnung

Sie suchen die passende Software? Vertrauen Sie SoftGuide!

Unsere Experten finden die perfekte Lösung für Sie - unabhängig und auf dem neuesten Stand der Softwaretrends.
Auszug aus der SoftGuide Marktübersicht:
audatis MANAGER - Datenschutzmanagement Software
caralegal
preeco | datenschutz Datenschutzmanagement-Software

Weitere interessante Artikel zum Thema

Effizienter Datenschutz: Wenn Software den Datenschutzbeauftragten entlastet

Dr. Ute Burghardi

Passkeys in bestehende IT-Landschaften einführen

Dr. Ute Burghardi

Voraussetzungen für die Integration von Passkeys

Dr. Ute Burghardi