Unter „Digitaler Patientenidentifikation“ versteht man die elektronische Erfassung, Verwaltung und eindeutige Zuordnung von Patientenidentitäten in medizinischen Einrichtungen. Ziel ist es, sicherzustellen, dass jede Behandlung, jede Verordnung, jede Untersuchung und jede Probe zweifelsfrei der richtigen Person zugeordnet wird. Digitale Patientenidentifikation unterstützt damit Patientensicherheit, Prozessqualität und Rechtssicherheit, insbesondere in Kliniken, MVZ, Arztpraxen, Laboren und Pflegeeinrichtungen.
Stammdatenverwaltung und eindeutige Patienten-ID: Anlage und Pflege von Patientenstammdaten (z. B. Name, Geburtsdatum, Kontaktdaten) inklusive Vergabe einer eindeutigen Patienten-Identifikationsnummer.
Master Patient Index (MPI) / Dublettenprüfung: Abgleich von Patientendaten über verschiedene Systeme und Standorte hinweg, Erkennung und Zusammenführung von Dubletten, Vermeidung mehrfach angelegter Patientenakten.
Fall- und Behandlungs-ID: Vergabe und Verwaltung eindeutiger Fall- oder Episoden-Nummern zur Trennung einzelner Behandlungsfälle pro Patient.
Barcode- und QR-Code-Generierung: Erzeugung und Druck von Patientenetiketten und Armbändern mit Barcodes oder QR-Codes zur schnellen, fehlerarmen Identifikation per Scanner.
RFID-gestützte Identifikation: Unterstützung von RFID-Armbändern oder -Karten, um Patienten kontaktlos und in Echtzeit identifizieren zu können.
Biometrische Identifikation (optional, je nach Rechtslage): Nutzung von Fingerabdrücken, Gesichtserkennung oder anderen biometrischen Merkmalen zur eindeutigen Patientenzuordnung.
Bedside-Scanning und Medikationsabgleich: Scan des Patientenarmbands am Bett sowie der Medikation oder Blutkonserve zur Prüfung „richtiger Patient, richtiges Medikament, richtige Dosis, richtiger Zeitpunkt“.
Proben- und Befundzuordnung: Kennzeichnung von Laborproben, Untersuchungsmaterialien und Bilddaten mit Patienten-ID, um eine sichere Zuordnung von Befunden zum Patienten zu gewährleisten.
Self-Check-in und Patientenportal-Anbindung: Unterstützung von Selbstanmeldeterminals oder Patientenportalen, bei denen sich Patienten über Karte, QR-Code oder App eindeutig identifizieren.
Integration in KIS/EMR und Subsysteme: Schnittstellen zu Krankenhausinformationssystemen, Praxisverwaltungssystemen, Labor-, Radiologie- und Apothekensystemen zur einheitlichen Identifikation in der gesamten IT-Landschaft.
Rechte- und Rollenmanagement: Steuerung, welche Nutzergruppen auf welche Identifikations- und Patientendaten zugreifen dürfen, inklusive Protokollierung der Zugriffe.
Audit-Trail und Nachvollziehbarkeit: Lückenlose Dokumentation von Änderungen an Patientendaten sowie von Identifikations- und Scanvorgängen zur Erfüllung rechtlicher und regulatorischer Anforderungen.
Fehler- und Konflikterkennung: Automatisierte Warnungen bei offensichtlichen Inkonsistenzen (z. B. nicht passender Name/Geburtsdatum, mehrfach vergebene IDs, Konflikte bei Probenzuteilung).
In einem Krankenhaus erhält jeder neu aufgenommene Patient ein Armband mit Barcode oder RFID-Chip. Pflegekräfte scannen dieses Armband vor der Medikamentengabe, um Verwechslungen zu vermeiden.
Ein Labor druckt Barcode-Etiketten für Blut- und Gewebeproben direkt aus dem KIS heraus. Beim Eintreffen im Labor werden die Proben gescannt und automatisch dem richtigen Patientenfall zugeordnet.
In der Notaufnahme werden Patienten zunächst mit einer temporären ID erfasst. Sobald die vollständige Identität bekannt ist, werden die Datensätze über den Master Patient Index zusammengeführt.
Eine Klinikgruppe nutzt ein zentrales Identitätsmanagement, um Patienten standortübergreifend eindeutig zu identifizieren und Mehrfachakten zu konsolidieren.
Patienten melden sich über ein Self-Check-in-Terminal mit ihrer elektronischen Gesundheitskarte oder einem QR-Code aus der Terminbestätigung an und werden automatisch im KIS identifiziert.
Bei Bluttransfusionen wird sowohl das Patientenarmband als auch der Blutbeutel gescannt, um vor der Verabreichung die korrekte Zuordnung zu prüfen.