Der Begriff „Einzelfaser-Management“ bezeichnet die detaillierte Verwaltung und Dokumentation einzelner Glasfasern (Fasern/Faserpaare) innerhalb eines LWL-/Glasfasernetzes – inklusive ihrer physischen und logischen Zuordnung, ihres Verlaufs (Ende-zu-Ende), ihrer Belegung sowie der dazugehörigen technischen und kaufmännischen Informationen. Ziel ist es, Transparenz über Kapazitäten und Verbindungen zu schaffen, Änderungen nachvollziehbar zu steuern und Störungen schneller einzugrenzen (z. B. in FTTH/FTTx-, Stadt- oder Weitverkehrsnetzen sowie in PoPs/ODFs).
Faser-Inventar & Stammdaten: Verwaltung jeder einzelnen Faser mit ID/Farbcode, Kabelzugehörigkeit, Faserpaarbildung, Status (frei/belegt/reserviert/defekt) und Eigenschaften (z. B. Singlemode/Multimode).
Ende-zu-Ende-Verbindungsnachverfolgung (Trace): Darstellung des Faserverlaufs über Muffen, Spleiße, ODF/Verteiler, Patchungen bis zum Anschluss/Zielpunkt (inkl. Abhängigkeiten zu Diensten/Kunden).
Spleiß-, Muffen- und Patchmanagement: Dokumentation von Spleißstellen, Spleißplänen, Patchfeldern/Ports, Rangierungen und Cross-Connects – inkl. Historie der Änderungen.
Belegungs- & Kapazitätsmanagement: Übersicht über freie/belegte Fasern je Kabel, Trasse, Standort oder Verteiler; Reservierungen und Kapazitätsplanung zur Vermeidung von Engpässen.
Strecken-/Dämpfungs- und Qualitätsinformationen: Zuordnung von Messwerten und Messprotokollen (z. B. Abnahme-/OTDR-Unterlagen) zur einzelnen Faser sowie Plausibilitäts- und Qualitätschecks.
Dokumenten- und Vertragsbezug pro Faser: Ablage von Dokumenten, Messprotokollen, Eigentumsverhältnissen sowie SLA-/Serviceinformationen direkt an der jeweiligen Faser.
Auswirkungsanalyse: Ermittlung, welche Dienste/Kunden betroffen wären, wenn eine bestimmte Faser, Muffe oder ein Verteilerport geändert oder gestört ist.
Workflows, Aufträge & Change-Tracking: Arbeitsaufträge für Bau, Umschaltungen und Entstörungen; versionssichere Nachverfolgung, wer wann welche Faserbelegung geändert hat.
Visualisierung & Reporting: Schema-/Topologieansichten (z. B. ODF-, Muffen- und Streckenansichten), Listenberichte zu Belegung/Kapazität sowie Audit- und Revisionsreports.
Integration (z. B. GIS/OSS/BSS): Kopplung an Karten-/GIS-Systeme, Netzplanung und Betriebs-/Service-Systeme, um Daten konsistent zu halten und Doppelerfassung zu vermeiden.
Ein Netzbetreiber weist in einem PoP eine konkrete Faser vom ODF-Port bis zum Kundenanschluss zu und dokumentiert Patchungen und Spleiße revisionssicher.
Ein Technikteam hinterlegt zu einer einzelnen Faser das Abnahme-Messprotokoll und nutzt die Streckenanalyse, um Dämpfungsreserven zu prüfen.
Bei einer Störung wird per Faser-Trace ermittelt, welche Kundenverbindungen über die betroffene Muffe laufen und welche Umschaltungen möglich sind.
Ein Stadtwerk verwaltet „Dark Fiber“-Kapazitäten, reserviert einzelne Fasern für zukünftige Vermietung und erstellt Belegungs-Reports für die Planung.
Im Rahmen eines Ausbauprojekts werden Änderungen an Faserbelegungen als Arbeitsaufträge gesteuert und anschließend automatisch in der Dokumentation aktualisiert.