Software-Tipps

Netzwerkfähigkeit


Benutzung der Software auf mehr als einem Arbeitsplatz
Ist die Software netzwerkfähig?

In einem Netzwerk sind verschiedene Computer miteinander verbunden. Ein Netzwerk ermöglicht z.B. den Zugriff auf gemeinsame Daten von jedem Arbeitsplatz aus. Mit netzwerkfähiger Software können daher mehrere Benutzer von mehreren Arbeitsplätzen aus gleichzeitig an den Daten arbeiten.

Beim gleichzeitigen Arbeiten an Daten stellt das reine Lesen der Daten kein Problem dar. Vielmehr ist das Schreiben bzw. das Ändern der Daten das eigentliche Problem. Daten werden vom Speichermedium gelesen und angezeigt. Wenn ein anderer Benutzer diese Daten ändert, dann müssen die Daten neu eingelesen werden, um den aktuellen Stand zu sehen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass nicht zwei Benutzer gleichzeitig an denselben Daten Änderungen vornehmen. Erstens wissen die Benutzer nichts von der Arbeit des anderen Benutzers und zweitens würde der zuletzt speichernde Benutzer die Änderungen des Anderen überschreiben.

Als Voraussetzung, um auf gemeinsame Ressourcen (z.B. Dateien, Datensätze, Tabellen, Datenbanken, Schnittstellen) zugreifen zu können, ist ein Netzwerkbetriebssystem wie z.B. Windows-Server von Microsoft, UNIX oder NETWARE von Novell notwendig.1

Qualitätsstufen der Netzwerkfähigkeit:2

  • Datenbanksperre

    Keine Netzwerkfähigkeit ist gegeben, wenn beim Zugriff auf eine Ressource diese komplett für andere Benutzer gesperrt ist. Bei reinen Einzelplatzsystemen bzw. so genannten “Insellösungen” ist der gemeinsame Ressourcenzugriff nicht von Bedeutung. In einer Netzwerkumgebung kann der exklusive Zugriff auf eine Ressource im Ausnahmefall gewünscht sein. Immerhin werden damit viele Probleme umgangen, die beim gemeinsamen Zugriff auftreten können.

    In der Praxis findet in Einzelplatzsystemen ein Datenaustausch bzw. ein gemeinsamer Ressourcenzugriff oft über Dateien statt, die von einem System zum anderen kopiert werden. Diese Behelfslösung wird umgangssprachlich als “Turnschuhnetz” bezeichnet.

  • Dateisperre

    Beim Zugriff auf eine Datei, z.B. eine Textdatei, wird die gesamte Datei für andere Benutzer zum Schreiben gesperrt. Gute Systeme melden einem Benutzer, der zufällig auf die gleiche Datei zugreifen möchte, wer diese gerade benutzt. Einfache Systeme melden in diesem Fall lediglich, dass die Datei für den Schreibzugriff gesperrt ist.

  • Datensatzsperre

    Die Datensatzsperre ist ein Verfahren, womit mehrere Benutzer im Netzwerk auf einer Datenbank arbeiten können. Eine Datensatzsperre verhindert, dass mehrere Benutzer ein- und denselben Datensatz gleichzeitig bearbeiten.

    Der erste Benutzer, welcher einen Datensatz zur Bearbeitung aufruft, sperrt den Datensatz für alle anderen Benutzer. Diese anderen Benutzer können den Datensatz nur noch lesen, aber nicht verändern. Sobald der erste Benutzer den Datensatz verlässt, wird dieser wieder für alle Benutzer zur Bearbeitung freigegeben.

  • Datenfeldsperre

    Ein Datensatz besteht in der Regel aus mehreren Datenfeldern. Bei der Datenfeldsperre wird nicht ein ganzer Datensatz für andere Benutzer gesperrt, sondern nur ein Datenfeld. Somit können andere Benutzer andere Datenfelder des gleichen Datensatzes zeitgleich bearbeiten.

Diese Beurteilung der Netzwerkfähigkeit bezieht sich auf datensatz-orientrierte Software.3 Für neuere EDV-Anwendungsbereiche, wie z.B. Büroinformationssysteme, CRM, E-Mail-Messaging, Wikis, Foren, Konferenzen, Projektmanagement wird die Netzwerkfähigkeit anhand weiterer Kriterien beurteilt.

Weitere Kriterien der Netzwerkfähigkeit:

  • Funktionen zur kreativen Zusammenarbeit

    Die kooperative Zusammenarbeit von Benutzern beispielsweise in Projektgruppen oder Unternehmen wird in der IT als “Kollaboration”4 oder “Groupware”5 bezeichnet.

    Zur Beurteilung solcher Anwendungen kann man das Vorhandensein oder die Möglichkeiten zur Integration kommunikativer Werkzeuge6 heranziehen. Versionenkonzepte und Informationen über Benutzeraktivitäten sind ebenfalls typische Funktionen zur Unterstützung des gemeinsamen Arbeitens.

  • gemeinsames Arbeiten an unformatierten Daten

    Im Gegensatz zu formatierten Daten in Datenbanken sind z.B. Texte, Bilder, Video, Grafiken, usw. in sich unformatiert. Es gibt Anwendungen und Werkzeuge, die das gemeinsame Arbeiten an solchen Daten erlauben.7

  • Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse

    Je nach Anforderung kann es sinnvoll sein, die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse im Internet zu veröffentlichen. In einigen Anwendungen, wie z.B. Wiki-Software, Foren ist die Veröffentlichung im Softwarekonzept integriert.


1 Ein Netzwerkbetriebssystem ist nicht zwingend erforderlich, da man auch mit ganz normalen Betriebssystemen im Netzwerk auf freigegebene Daten zugreifen kann. Allerdings ist in typischen betrieblichen Alltagssituationen ein spezielles Netzwerkbetriebssystem sehr empfehlenswert.
2 vgl. auch Wikipedia ”Lock” und auch Holger Kreissl, Grundlagen der Informatik, Scheduler und Recovery
3 Mit datensatz-orientrierter Software ist datenbank-basierte Software gemeint, die in klassischen EDV-Anwendungsbereichen wie z.B. Buchführung, Finanzbuchhaltung, Lagerwirtschaft, Produktionsplanung, Personalinformation eingesetzt wird.
4 vgl. auch IT-Wissen, Onlinelexikon DATACOM Buchverlag, Kollaboration, aufgerufen am 21.09.2017
5 vgl. auch Hansen / Neumann Wirtschaftsinformatik 1, Grundlagen und Anwendungen 10. Auflage, S. 568
6 Chat, Instant-Messaging, Doku-Wiki, Foren, VoIP u.a.
7 z.B. Google Drive, neuere MS-Word Versionen, Teamsoftware z.B. von TeamLab