Software-Tipps

Tipps zur Auswahl von Datenschutzmanagement-Software


Typische Funktionen und Tipps zur Auswahl von Software für den Datenschutz

Was ist Datenschutzmanagement‑Software?

Datenschutzmanagement-Software (DSMS) ist eine spezialisierte Anwendung, die Unternehmen bei der systematischen Erfüllung von DSGVO-Pflichten unterstützt, indem sie Prozesse wie Dokumentation, Risikoanalysen und Nachweisbarkeit zentral organisiert. Sie fokussiert sich auf organisatorische und rechtliche Anforderungen zum Umgang mit personenbezogenen Daten, im Gegensatz zu IT-Security-Tools, die primär technische Schutzmaßnahmen wie Firewalls oder Verschlüsselung umsetzen und die zum Beispiel SIEM-Systeme oder Endpoint-Protection umfassen. DSMS ist prozessorientiert und compliance-fokussiert, ergänzt Security-Tools aber durch die rechtliche Nachweisführung. Eine Kombination beider ist ideal für ganzheitlichen Datenschutz.

Kernfunktionen einer Datenschutzmanagement-Software

Datenschutzmanagement-Software (DSMS) deckt die zentralen DSGVO-Aufgaben ab, darunter ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (VVT), Auftragsverarbeitungsverträge (AVV), Datenschutz-Folgenabschätzungen (DSFA) und Management von Betroffenenrechten. Workflows, Vorlagen und Audit-Tools sorgen für revisionssichere Nachweise und automatisierte Erinnerungen. Moderne Lösungen integrieren oft Schulungsmodule und Incident-Management.

Zentrale Aufgaben im Datenschutz nach DSGVO

Typische Kernaufgaben, die Unternehmen unabhängig von Branche und Größe erfüllen müssen, sind:

  • Führen eines Verzeichnisses von Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30 DSGVO für alle Prozesse mit personenbezogenen Daten.​
  • Dokumentation angemessener technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Sicherheit der Verarbeitung nach Art. 32 DSGVO.​
  • Durchführung und Nachweis von Datenschutz‑Folgenabschätzungen nach Art. 35 DSGVO für risikoreiche Verarbeitungen.​
  • Management von Betroffenenrechten (Auskunft, Löschung, Berichtigung, Widerspruch) mit Einhaltung gesetzlicher Fristen.​
  • Behandlung und Dokumentation von Datenschutzvorfällen inkl. Meldepflichten gegenüber Aufsichtsbehörden.​

Warum Datenschutzsoftware einsetzen?

Datenschutzsoftware ist essenziell, um DSGVO-Pflichten effizient zu erfüllen und Bußgelder zu vermeiden, die bis zu 4% des Umsatzes betragen können. Sie automatisiert Dokumentation und Prozesse, spart Zeit und steigert die Rechtssicherheit für Unternehmen jeder Größe.

Unternehmen müssen DSGVO-Anforderungen wie ein Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten, TOMs und Betroffenenrechte revisionssicher dokumentieren. Allein in Europa wurden bis 2025 Strafen von über 2,7 Milliarden Euro verhängt. Datenschutzsoftware automatisiert Workflows und Nachweisbarkeit, was bei Audits bußgeldmindernd wirkt.

Effizienzsteigerung

Manuelle Prozesse in Excel oder Word sind fehleranfällig und zeitintensiv. Software bietet zentrale Datenverwaltung, Vorlagen und Erinnerungen, die den Aufwand für Datenschutz um bis zu 50% reduzieren können. Externe Berater profitieren durch Multi‑Kunden‑Management und automatisierte Berichte.

Risikominimierung und Skalierbarkeit

Die Software erkennt Lücken frühzeitig, optimiert Abläufe und unterstützt Skalierung bei Wachstum. Sie minimiert Risiken wie Datenpannen oder unrechtmäßige Erhebungen, die häufig Bußgelder auslösen. Zudem gewinnt das Unternehmen Vertrauen bei Kunden durch nachweisbare Transparenz.

Beachten Sie bitte auch die aktuelle Marktübersicht der Softwarelösungen und Erklärungen zum Thema Datenschutz

Datenschutzmanagement-Software: Grundfunktionen (Must-Have)

  • Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (VVT) nach Art. 30 DSGVO mit geführten Masken für Zwecke, Rechtsgrundlagen, Kategorien, Empfänger, Speicherfristen.
  • Verwaltung von Auftragsverarbeitungsverträgen (AVV) inkl. Dienstleisterübersicht, Vertragsstatus und TOM‑Dokumentation.
  • Dokumentation technischer und organisatorischer Maßnahmen (TOM) mit Struktur nach DSGVO/BSI‑Orientierung.​
  • Management von Betroffenenrechten (Auskunft, Löschung, Berichtigung, Widerspruch) inkl. Fristenkontrolle.
  • Incident- und Data‑Breach‑Management mit Protokollierung, Bewertung und Meldeunterlagen für Aufsichtsbehörden.
  • Rollen‑ und Rechtemanagement (mind. DSB, Fachbereich, Management) sowie Protokollierung von Änderungen.
  • Revisionssichere Dokumentation und Versionierung von Vorgängen und Dokumenten.

Datenschutzmanagement-Software: Soll-Funktionen

  • Geführte Datenschutz‑Folgenabschätzungen (DSFA) mit Risikobewertung, Maßnahmenkatalog und Freigabe‑Workflow.​
  • Vorlagenbibliothek (VVT‑Bausteine, TOM‑Bausteine, Mustertexte, Checklisten) zur Standardisierung.​
  • Aufgaben‑ und Maßnahmenmanagement mit Zuweisung, Fälligkeiten und Erinnerungen.​
  • Dashboards und Reporting (z. B. Umsetzungsgrad, offene Maßnahmen, Risikoübersicht) für Management‑Berichte.​
  • Mehrmandantenfähigkeit / Mandantenverwaltung (für Konzerne oder externe Datenschutzbeauftragte).
  • Schulungs- und Awareness‑Modul oder zumindest Nachweisverwaltung externer Schulungen.
  • Export‑Funktionen (z. B. VVT als PDF/Excel, Berichte) für Audits und Prüfungen.

Datenschutzmanagement-Software: Kann-Funktionen (Nice-to-have je nach Reifegrad)

  • Schnittstellen zu HR-, CRM-, Ticket‑ oder DMS‑Systemen für automatisierte Datenübernahme.​
  • Integriertes Hinweisgeber‑/Whistleblower‑Portal mit sicherer Meldestrecke.
  • Risiko-Heatmaps und erweiterte GRC‑Funktionen (z. B. Verknüpfung mit ISMS/Compliance‑Risiken).
  • Mehrsprachige Oberflächen und Mandanteninhalte für internationale Organisationen.​
  • API für individuelle Integrationen und Automatisierungen.
  • Workflows für Vertrags‑/Lieferantenbewertungen über reine AVV‑Verwaltung hinaus (z. B. Due‑Diligence‑Fragebögen).

Datenschutzmanagement-Software: Funktionsmatrix mit Zielgruppen

Funktionsbereich Funktion Grundfunktionen Soll Kann KMU Konzern Externe DSB
VVT Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten X X X X
AVV Auftragsverarbeitungsverträge verwalten X X X X
TOM Technische und organisatorische Maßnahmen X X X X
Betroffenenrechte Workflow & Fristenmanagement X X X X
Vorfälle Incident- und Data-Breach-Management X (X) X X
Governance Rollen-/Rechtemanagement, Protokollierung X (X) X X
DSFA Geführte Datenschutz-Folgenabschätzung X (X) X X
Vorlagen Baustein-Bibliothek (VVT, TOM, Texte) X X X X
Aufgaben & Maßnahmen Aufgaben- und Maßnahmenmanagement X (X) X X
Reporting Dashboard & Management-Reports X (X) X X
Mandantenverwaltung Mehrmandantenfähigkeit X X X
Schulung & Awareness Schulungsmodule / Nachweisverwaltung X X X (X)
Exporte Audit- und Berichtsexporte X X X X
Integration Schnittstellen (HR/CRM/Ticket/DMS) X (X) X (X)
Hinweisgebersystem Integriertes Whistleblower-Portal X (X) X (X)
GRC-Funktionen >Erweiterte Risiko-/GRC-Module X X (X)
Mehrsprachigkeit Mehrsprachige Oberfläche/Mandanten X X (X)
API Offene API X (X) X (X)
Lieferantenbewertung Erweiterte Vendor-Due-Diligence X X (X)

X = klare Relevanz für die Zielgruppe​
(X) = je nach Reifegrad/Komplexität sinnvoll, aber nicht zwingend in jeder Situation

Weitere spezifische Kriterien und Frage-Anregungen für die Beurteilung von Datenschutzmanagement-Software

  • Überprüfen Sie, ob die Software IT-Sicherheitsmanagement nach IT-Grundschutz, ISO 27001 unterstützt.
  • Achten Sie darauf, dass besondere Funktionen zum Schutz personenbezogener Daten zur Verfügung stehen, wenn Sie beispielsweise Kundendaten verwalten.
  • Stellen Sie sicher, dass die Datenschutzsoftware selbst auch ausreichend vor unautorisiertem Zugriff geschützt ist, wenn es sich dabei z.B. um eine Software zur Verwaltung von Passwörtern, Verschlüsselungscodes bzw. Codierungsschlüsseln handelt.
  • Prüfen Sie, ob die Software in Ihre unternehmensinterne Aufbau- und Ablauforganisation zur IT-Sicherheit passt.
  • Erfragen Sie, ob eine web-basierte Trainingsplattform enthalten ist, um Ihre Mitarbeiter für den Datenschutz zu sensibilisieren.
  • Bedenken Sie, dass Software zur Publikation datenschutzbezogener Themen die Inhalte kurzweilig, animiert oder spielerisch aufbereiten sollte, um das für viele eher "langweilige" Thema interessant zu vermitteln.
  • Recherchieren Sie, ob die Software nur wirklich benötigte Daten gespeichert1 .
  • Achten Sie darauf, dass die Datenschutzsoftware Daten anonymisiert protokolliert, so dass im Umkehrschluss kein Zusammenhang mit dem Benutzer und der Sache gebracht werden kann.
  • Prüfen Sie, ob die Software Ressourcen nur für bestimmte Abteilungen, Personen oder Standorte freigibt.
  • Bringen Sie in Erfahrung, ob Empfehlungs-, Prüf- und Checklisten zum Datenschutz von der Software angeboten werden.
  • Stellen Sie fest, ob die Authentifizierungsoftware Dongles, IRIS-Scanner, Fingerabdruck- oder Spracherkennungs-Scanner für die Authentifizierung unterstützt.
  • Prüfen Sie, ob es branchen- oder größenangepasste Vorlagen und Checklisten (z.B. für KMU, Konzerne, regulierte Branchen) gibt?
  • Achten Sie auf Schnittstellen! Welche Schnittstellen zu den bestehenden Systemen sind zwingend notwendig?
  • Fragen Sie nach dem Lizenzmodell für die Datenschutzmanagement-Software! Ist es ein transparentes Lizenzmodell inkl. möglicher Zusatzkosten (Module, Nutzer, Speicher, Supportlevel)?

1 Datenvermeidung
Abkürzungen:
DSGVO: Datenschutzgrundverordnung
Art.: Artikel