Software-Tipps

Backup, Datensicherung


Typische Funktionen und Tipps zur Auswahl von Backup- und Datensicherungssoftware

Was ist Backup-Software?

Mit Backup-Software können Datensicherungen (Backups) erstellt und auf internen oder externen Datenträgern, Netzwerkspeichern oder in der Cloud ablegt werden. Ziel ist, Datenverlust etwa durch Hardwaredefekte, Bedienfehler, Cyberangriffe jeglicher Art oder Feuer zu verhindern und Daten oder komplette Systeme schnell wiederherstellen zu können (Restore, Disaster Recovery).

Welche Arten von Backup-Software gibt es?

Backup-Software wird in verschiedene Arten unterteilt, je nach Backup-Methode, Technologie und Einsatzumgebung.

Nach Backup-Methode:

  • Voll-Backup: Erstellt eine vollständige Kopie aller Daten unabhängig von Änderungen, das ist einfach, aber zeit- und speicherintensiv.
  • Differentielles Backup: Sichert alle Änderungen seit dem letzten Voll-Backup, das bedeutet einen mittleren Aufwand und eine einfache Wiederherstellung.
  • Inkrementelles Backup: Erfasst nur Änderungen seit dem letzten Backup (egal, ob voll oder inkrementell). Das ist schnell und platzsparend, bedeutet aber komplexere Wiederherstellung.

Nach Technologie:

  • Datei-Ebene-Backup: Kopiert ganze Dateien bei Änderungen - ideal für kleinere Datenmengen.​
  • Block-Ebene-Backup: Sichert nur geänderte Datenblöcke - effizienter und schneller für große Volumen.​

Nach Einsatzbereich:

  • Image-Backup: Erstellt bitgenaue Abbilder von Systemen oder Partitionen für komplette Disaster Recovery.​
  • Cloud-Backup: Speichert in der Cloud für ortsunabhängigen Zugriff und Schutz vor lokalen Katastrophen.​
  • Lokales Backup: Auf externen Festplatten oder NAS - kostengünstig mit voller Kontrolle.​

Was ist der Einsatzzweck von Backup-Software?

  • Datensicherung: Erstellung von Kopien für Dateien, Ordner, Partitionen oder ganze Systeme auf lokalen, netzwerkgebundenen oder Cloud-Speichern.
  • Disaster Recovery: Schnelle Wiederherstellung nach Ausfällen wie Hardwaredefekten, Naturkatastrophen oder Cyberangriffen, inklusive Bare-Metal-Recovery.
  • Ransomware-Schutz: Immutable Backups (z. B. WORM-Speicher), Air-Gapping und Verschlüsselung gegen Verschlüsselung durch Malware.
  • Geschäftskontinuität: Minimierung von Ausfallzeiten durch automatisierte Failover, RPO/RTO-Optimierung und Hochverfügbarkeitslösungen.
  • Virtualisierungs-Backup: Sicherung von VMs, Containern und Cloud-Umgebungen.
  • Archivierung und Compliance: Langfristige Speicherung mit Versionierung, Deduplizierung und Einhaltung von Datenschutzvorgaben (z. B. DSGVO).

Beachten Sie bitte auch die aktuelle Marktübersicht der Softwarelösungen und Erklärungen zum Thema Backup, Datensicherung

Wer nutzt Backup-Software?

Backup-Software richtet sich sowohl an einzelne Nutzer, die persönliche Daten wie Fotos, Dokumente und E-Mails sichern möchten als auch an Unternehmen.​

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) nutzen sie intensiv, da sie oft ohne große IT-Abteilungen geschäftskritische Daten wie Kundeninformationen oder Finanzdaten sichern müssen. Großunternehmen und Konzerne setzen auf skalierbare Enterprise-Lösungen für umfangreiche IT-Infrastrukturen, virtuelle Maschinen, Cloud-Umgebungen und Server.

Zusätzlich profitieren IT-Dienstleister, Dienstleister für Managed Services und Rechenzentrumsbetreiber von Backup-Software für Multi-Client-Umgebungen und Ransomware-Schutz.

Vorteile von Backup-Software

Backup-Software bietet klare Vorteile gegenüber manuellen Datensicherungen, insbesondere durch Automatisierung und Zuverlässigkeit.

  • Automatisierung reduziert Aufwand: Regelmäßige, zeitgesteuerte Backups laufen im Hintergrund ohne manuelle Eingriffe, was Zeit spart und Fehler minimiert - ideal für Teams ohne IT-Abteilung.
  • Schnelle Wiederherstellung: Bei Ausfällen (z. B. Hardwaredefekt oder Ransomware) können Dateien, Ordner oder Systeme rasch restauriert werden, um Ausfälle zu minimieren und den Geschäftsbetrieb fortzusetzen.
  • Kosteneffizienz: Günstige Lösungen mit Skalierbarkeit (z. B. Cloud-Integration) vermeiden teure Hardwareinvestitionen und passen sich dem Wachstum an, oft mit Pay-per-Use-Modellen.
  • Erhöhte Sicherheit: Verschlüsselung, Kompression und Offsite-Speicher (z. B. Cloud) schützen vor Diebstahl, Feuer oder Cyberangriffen und erfüllen Compliance-Anforderungen wie DSGVO.
  • Skalierbarkeit und Flexibilität: Unterstützt Hybrid-Modelle (lokal + Cloud), NAS oder unbegrenzten Speicher, passend für wachsende Datenmengen in KMU ohne große Infrastruktur.
  • Compliance und Audit-Sicherheit:Detaillierte Protokolle, Versionierung und 3-2-1-Regel-Konformität erleichtern Nachweise für Versicherungen oder Prüfungen und senken Risiken.

Herausforderungen von Backup-Software

Technische Herausforderungen

  • Komplexe Infrastrukturen: Hybrid-Umgebungen mit On-Premises, Cloud und SaaS erschweren ein durchgängiges Backup-Konzept, etwa durch unterschiedliche Schnittstellen und Sicherungsformate.​
  • Leistung und Dauer: Große Datenmengen und begrenzte Bandbreite führen zu sehr langen Backup-Fenstern, was RPO/RTO-Vorgaben (Recovery Point/Time Objectives) gefährden kann.
  • Kompatibilität: OS-Updates, Patches und Applikations-Upgrades können Backup-Agents oder -Software inkompatibel machen, was zu fehlerhaften oder unvollständigen Backups führt.​
  • Speichermedien und -kapazität: Begrenzte Kapazitäten, langsame Medien (z.B. Tape, optische Medien) oder Einschränkungen nativer Tools (z.B. nur ein Backup auf Netzwerkshare) limitieren Häufigkeit und Qualität der Sicherungen.

Organisatorische Herausforderungen

  • Fehlende oder veraltete Strategien: Backup-Konzepte werden einmal entworfen und später nicht an neue Systeme, Datenquellen oder Cloud-Dienste angepasst (Configuration Drift).​
  • Mangelndes Monitoring: Fehlgeschlagene oder teilweise Backups bleiben unentdeckt, wenn Jobs und Kapazitäten nicht aktiv überwacht werden.
  • Unzureichende Tests: Wiederherstellungsprozesse werden selten geübt, Dokumentationen veralten; im Notfall sind Recovery-Zeiten länger als geplant oder Daten gar nicht wiederherstellbar.
  • Abhängigkeit von Einzelmethoden: Nur ein Backup-Weg (z.B. nur Cloud oder nur lokales NAS) erzeugt Single Points of Failure ohne Redundanz.​

Menschliche Herausforderungen

  • Fehlkonfigurationen: Falsche Auswahl von zu sichernden Verzeichnissen, unpassende Zeitpläne oder fehlende Priorisierung kritischer Anwendungen führen zu Lücken im Schutz.
  • Zugriffs- und Berechtigungsprobleme: Abgelaufene Passwörter, geänderte Service-Accounts oder API-Keys verhindern Zugriff auf Datenquellen, was oft erst beim Restore auffällt.​
  • Bedienfehler im Notfall: Unter Zeitdruck sind Restore-Prozesse fehleranfällig, besonders wenn sie komplex und wenig geübt sind.​

Sicherheits- und Compliance-Herausforderungen

  • Ransomware und Manipulation: Backups können selbst Ziel von Angriffen sein, etwa durch Verschlüsselung oder Löschung von Backup-Repositories, wenn diese nicht ausreichend isoliert sind.​
  • Datenintegrität: Allmähliche Korruption (Bit Rot, Medienalterung, Filesystem-Fehler) kann Sicherungen unbrauchbar machen, wenn keine regelmäßige Integritätsprüfung erfolgt.​
  • Aufbewahrung und Versionierung: Zu wenige Versionen erschweren das Zurückspringen auf einen „sauberen“ Stand, zu viele Versionen treiben die Kosten hoch.​
  • Rechtliche Vorgaben: Anforderungen an Aufbewahrungsfristen, Verschlüsselung und Datenschutz müssen im Backup-Konzept berücksichtigt werden; Backup-Software unterstützt dies nur teilweise oder mit hohem Konfigurationsaufwand.​

Weitere spezifische Kriterien und Frage-Anregungen für die Beurteilung von Backup-Software

  • Überprüfen Sie, wie umfangreich die Sicherung Ihrer aktuellen Dateien ist. Fragen Sie den Anbieter, welchen Backup-Mechanismus (Volldatensicherung, Inkrementell oder Differentiell)1 und welche Speichermedien 2 Sie benötigen.
  • Entscheiden Sie, ob Ihre Daten im Netzwerk bzw. Internet gesichert werden können. Überprüfen Sie Ihr IT-Sicherheitskonzept. Deckt die Lösung alle relevanten Umgebungen ab (physisch, Cloud, SaaS)?
  • Ist die Lösung als Client- bzw. Server-Anwendung oder als Einzelplatz-Anwendung konzeptioniert? Überprüfen Sie Ihre IT-Infrastruktur und kontaktieren Sie den Anbieter.
  • Können Sicherungen von lokalen Ressourcen bzw. von ausgelagerten Netzwerk- oder Internet-Ressourcen durchgeführt werden? Bildet die Lösung alle relevanten Umgebungen ab (physisch, VM, Cloud, SaaS)?
  • Bietet die Software eine Möglichkeit, die Datensicherung während des laufenden Betriebs durchzuführen?
  • Kann die Wiederherstellung von Daten ohne Datenverlust im Betrieb durchgeführt werden?
  • Planbare Zeitpunkte für Backup-Jobs verringern den manuellen Administrations-Aufwand.
  • Die Datenkomprimierung 3 der Backups verhindert den unnötigen Verbrauch von Speicherplatz.
  • Fragen Sie den Anbieter, ob eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Transport und im Ruhezustand zur Verfügung steht, ob es rollenbasierte Zugriffskonzepte und detaillierte Protokolle über alle Aktionen gibt.
  • Transaktions-Mechanismus in einer Datensicherungs-Lösung kann bei Fehlern immer den Ursprungszustand ganz oder auf Wunsch auch nur zum Teil wiederherstellen.
  • Bietet die Backup-Software übersichtliche Dashboards, in denen Status, Fehler, Warnungen und Kapazitätsgrenzen auf einen Blick erkennbar sind?
  • Kann die Backup-Software Benachrichtigungen per E-Mail senden bzw. steht ein Ticketsystem oder ein Messaging-Dienst zur Verfügung, um über Probleme frühzeitig zu informieren?
  • Prüfen Sie, ob die Backup-Admin-Accounts strikt getrennt und abgesichert sind, um Missbrauch und Insider-Risiken zu minimieren.
  • Erkennt die Backup-Software neue Systeme automatisch, um sie in passende Backup-Jobs aufzunehmen?
  • Bietet die Backup-Software für IT-Dienstleister oder größere Organisationen Multi-Mandanten-Funktionen, um mehrere Standorte oder Kunden getrennt zu verwalten?
  • Fragen Sie den Anbieter, ob die Software auch für SaaS-Backups einsetzbar ist und diese granulare Restores einzelner Mails, Dateien, Chats oder Sites ermöglicht.
  • Vergleichen Sie bei der Auswahl von Backup-Software, ob der Support in Landessprache oder auch mehrsprachig angeboten wird. Achten Sie auf klar definierte Reaktionszeiten und ggf. Managed-Services, falls Sie diese benötigen.
  • Unterstützt die Backup-Software moderne Strategien wie Immutable Backups, Ransomware-Schutz und hybride Szenarien?
  • Lässt sich die Backup-Infrastruktur mit vertretbarem Aufwand skalieren, wenn das Unternehmen wächst?
  • Bietet die Software aussagekräftiges Reporting, Monitoring und Alarmierung?
  • Passen Lizenzmodell, Speicherkosten und Support-Angebot zu Budget und Anforderungen?

1 Siehe auch 5.2 Sicherungsmethoden und Sicherungskonzepte
2 Siehe auch 5.4 Datenträger zur Datensicherung
3 Siehe auch 5.6 Datenkompression / Datenkomprimierung