Software-Tipps

Lernplattformen und Learning Management Systeme


Typische Funktionen und Tipps zur Auswahl von Lernplattformen und Learning Management Systeme

Learning Management System (LMS System)

Ein Learning Management System (LMS) wird häufig auch als Lernplattform bezeichnet. Es unterstützt die Bereitstellung und Verwaltung von Lerninhalte ebenso wie die Verwaltung der Nutzer bzw. Lernenden. Wenn der Schwerpunkt auf der Erstellung, Verwendung und Verbreitung von Lerninhalten liegt, wird auch häufig der Begriff Learning Content Management System (LCMS) verwendet. Alle Lösungen bieten die Zugriffssteuerung auf die Lerninhalte, in der Regel auch die Verfolgung des Lernfortschrittes der Nutzer und die Möglichkeit der Speicherung bzw. Archivierung der Lerninhalte.

Beachten Sie bitte auch die aktuelle Marktübersicht der Softwarelösungen und Erklärungen zum Thema Learning Management Systeme (LMS)

Die wichtigsten E-Learning Formen

Neues Wissen zu erwerben kann über ganz verschiedene Formen erfolgen. In der Regel können die E-Learning Tools zeit- und ortsunabhängig eingesetzt werden. Die verschiedenen Formen kommen den unterschiedlichen Lerntypen entgegen. Mitarbeiter bzw. Lernende können so für sich selbst entscheiden, ob sie lieber einen podcast mit neuen Informationen hören oder ein Webinar oder ein Blended-Learning Training (Kombination aus Digital- und Präsenzunterricht) absolvieren.

  • Online-Seminar
  • Podcasts
  • Videointerviews
  • Screencasts
  • Webbasiertes Training
  • Computerbasiertes Training
  • Lern-App
  • Wiki
  • Webinar
  • Blended Learning
  • Serious Games, Gamification
  • Massive Open Online Course (MOOC)

Autorenumgebung, Autorentool

Oft ist in den LMS und LCMS ein sogenanntes Autorentool bzw. eine Autorenumgebung enthalten. Diese ermöglicht es die jeweiligen Lerninhalte bzw. Kurse aus Text und Multimedia-Inhalten zu erstellen. Sie ermöglichen beispielsweise die automatische Erstellung interaktiver Prozess- oder Softwaredokumentationen, Simulationen und Lerneinheiten ebenso wie die Produktion individueller und komplexer E-Learning-Module. Meist stellen die Systeme hierfür eine Reihe an Templates zur Verfügung.

Standards in der E-Learning-Branche

  • AICC (Aviation Industry Computer-based Training Committee)
    • AICC ist bereits 1988 entstanden, um das Flugtraining auf unterschiedlichen computerbasierten Plattformen zu ermöglichen. Die entwickelten Spezifikationen wurden dann auch außerhalb der Luftfahrtbranche übernommen und eingesetzt. Der AICC Standard wird nicht mehr weiterentwickelt. Es gibt aber zahlreiche Autorentools und LMS, die AICC-konform sind. Da weiterhin Lerninhalte nach AICC Standard vorhanden sind, ist die AICC Konformität immer noch wichtig.
  • cmi5
    • cmi5 ist eine Ergänzung zu xAPI die festlegt, die das LMS bzw. der Kurscontent mit dem LRS (Learning Record Store) kommunizert. Die cmi5 Spezifikation legt außerdem fest, wie die Struktur der Kursdateien beschrieben wird. Bei der Auswahl einer eLearning Plattform sollten Sie daher prüfen, ob das LMS sowohl xAPI als auch cmi5 unterstützt.
  • IMS Content Packaging (IMS CP) und IMS Common Cartridge (IMS CC)
    • Das IMS Global Learning Consortium hat einen Standard entwickelt, der insbesondere im Hochschulbereich weit verbreitet ist. Common Cartridge ähnelt SCORM setzt aber den Schwerpunkt auf Assessments und weitere akademische Lernaktivitäten. SCORM Inhalte können leicht in den Common Cartridge Standard konvertiert werden.
  • LOM (Learning Object Metadata)
    • Der LOM Standard wurde vom LTSC (Learning Technology Standards Commitee) entwickelt. Beim LOM Standard werden die Lernobjekte um Metadaten im XML-Format angereichert, so dass diese in anderen Lern- bzw. Lehrsystemen genutzt werden können. Es werden dabei einzelne Merkmale wie z.B. Autor, Zielgruppe oder technische Details etc. markiert.
  • SCORM (Sharable Content Object Reference Model)
    • SCORM ist der am häufigsten eingesetzte Standard. Im SCORM Kontext stellt die ISO/IEC TR 29163-2:2009 die Komponenten dar, die in einer Lernerfahrung genutzt werden. Die Norm unterstützt die konsistente Speicherung, Kennzeichnung, Verpackung, den Austausch und die Suche von Lerninhalten. Die Norm umfasst außerdem Informationen zur Erstellung von Contentpaketen, zur Anwendung von Metadaten und Beschreibung der Inhaltsstrukturen und zur Anwendung von Sequenzierungs- und Navigationsdetails. Die Version SCORM 1.2 ist die gängigste Version.
  • xAPI (Experience API)
    • Die xAPI ist einfacher und schlanker gestaltet als SCORM. xAPI (auch bekannt als Tin Can API) beschränkt die Kommunikation nicht allein auf Kurse und das LMS. Fast jede Aktivität kann mit der xAPI aufgezeichnet werden. Der sogenannte Learning Record Store (LRS) ist dabei der „Speicherkern“ der xAPI Statements. Entwickler können über xAPI auch Daten an Drittsysteme wie Talent Management oder z.B. HelpDesk Anwendungen senden.

Typische Funktionen:

  • E-Learning Portal
  • Autorentool (Redaktionstool)
  • Blended Learning Plattform
  • Wissensplattform
  • Lern-Community
  • Beliebige Anzahl von Kursen, Kursteilnehmern und Mentoren verwaltbar
  • Online-Buchungsmöglichkeit von Kursen im Internet
  • game based Learning
  • Warenkorbsystem, Bestellungsverwaltung
  • Kundenregistrierungsmöglichkeit
  • Flexible Gestaltung der Kurstermine
  • Multimediawerkzeuge: Audio-, Video und andere Dateien direkt in Dokumenten
  • Newsfunktionen
  • Content Management
  • Videokonferenz
  • Automatische Erstellung von Leseproben aus Wissensdokumenten
  • Nutzung von Wissensdokumenten öffentlich, privat und gruppenbezogen möglich
  • Designmöglichkeiten durch Templates
  • Diskussionsforen je Kurs
  • Customizing Funktionen
  • Marketingtools
  • Kursteilnehmer- und Lernstatistiken
  • Integriertes Lexikon
  • Integration eigener Texte möglich (Beschreibungen, Gruppentexte, AGB, Impressum...)
  • PowerPoint / PDF Konvertierung
  • Integrierter Videoupload
  • Tests und Umfragen
  • Zertifikate
  • Benutzerverwaltung (Anmeldung mit Verschlüsselung)
  • Rollen- und Rechtevergabe mit differenzierten Rechten
  • Anonyme Nutzeraccounts
  • Lernsequenzen
  • Kommentarfunktionen & Feedback
  • Shop-System zur Vermarktung von Lerninhalten
  • xAPI (Tin Can) & SCORM
  • Single Sign On / API
  • PPT Konvertierung in Flash, HTML5 und MP4 Video
  • verzweigte Gesprächsszenarien
  • Darsteller- und Hintergrund-Bibliotheken
  • Bildschirmaufzeichnungs-Werkzeug
  • Audio und Video Editor
  • Sprechtext-Editor
  • Quiz- und Umfragen-Editor
  • Wiedergabelisten für Hintergrundmusik
  • Kurse zu Favoriten hinzufügen
  • Micro-Learning
  • Mobiles Lernen
  • Mehrsprachigkeit
  • Virtuelles Klassenzimmer
  • Mandantenverwaltung

Weitere spezifische Kriterien und Frage-Anregungen für die Beurteilung von LMS Systemen:

  • Führen Sie vor der Softwareentscheidung eine gründliche Marktrecherche der potentiell geeigneten Lösungen durch. Unser Tipp: Greifen Sie dabei völlig unverbindlich auf unseren kostenfreien Recherche-Service zurück. Es werden Fragen erarbeitet, weite Teile der Ausschreibung übernommen, potentielle Lösungen strukturiert darstellt und die Kommunikation mit den Anbietern dokumentiert!
  • Klären Sie, welche E-Commerce Funktionen das LMS umfasst. Können Sie Ihre E-Learning-Kurse hosten und zum Kauf bereitstellen? Gibt es Funktionen für einzelne Kurse, Abonnements etc.?
  • Fragen Sie ob sich Schulungspfade erstellen lassen können. So können Sie Schulungsprogramme für Einzelpersonen oder Gruppen mit bestimmten Lernanforderungen erstellen und vorab für die jeweiligen Profile angepasste Schulungspfade festlegen.
  • Ist es möglich auch ohne den Einsatz eines Autorentools z.B. ein Quiz oder Test direkt im LMS zu generieren? Können Sie beispielsweise einen Test oder Quiz zu einer PowerPoint-Präsentation hinzufügen, wenn Ihnen kein Autorentool zur Verfügung steht?
  • Fragen Sie nach den Möglichkeiten, ohne Programmierkenntnisse Lerninhalte selbst zu erstellen. Meist sind die LMS Systeme so ausgelegt, dass Sie auch gängige Aufgabe mit Multiple Choice oder Lückentexte etc. selbst erstellen können oder Drag & Drop Funktionen vorhanden sind für die Erstellung von Prüfungen und Tests.
  • Klären Sie, welche E-learning Standards das LMS umfasst. Zu diesen Standards zählen AICC, SCORM, xAPI oder Tin Can. Diese Standards sichern die Wiederverwendbarkeit von Lerninhalten. Wenn Sie Online-Kurse bzw. Lerninhalte in einem großen Unternehmen mit mehreren Filialen und unterschiedliche LMS verwenden, ist dies für den problemlosen Austausch wichtig.
  • Lassen Sie sich die Bedienoberfläche des Autorentools und den Vorgang des Publizierens zeigen. Ist die Benutzerumgebung selbsterklärend und kann die Bedienung ohne umfangreiche Schulung erfolgen?
  • Falls Ihre Autoren oder Autorenteams an mehreren Standorten arbeiten, klären Sie, ob der gemeinsame Zugriff auf das LMS workflow gesteuert erfolgen kann und die notwendigen Sicherheitsaspekte berücksichtigt.
  • Klären Sie, welche Ausgabeformate das System umfasst. Zu diesen Ausgabeformaten zählen Docx, SCORM, PDF, PPT, BPP, HTML oder HTML 5.
  • Umfasst das System auch Möglichkeiten die Kurse, Lerninhalte zu bewerten (Rating, Liking etc.), Empfehlungen abzugeben oder auch weitere ähnliche Kurse oder Lerninhalte anzuzeigen bzw. vorzuschlagen?
  • Klären Sie im Vorfeld welche Social Tools von Ihren Mitarbeitern für das eLearning gewünscht werden und fragen Sie, ob die Software die Tools für die Zusammenarbeit wie Chats oder Foren umfasst.
  • Klären Sie, ob das LMS optisch so angepasst werden kann, dass Ihr Intranet, Ihre Webseite und das LMS ein einheitliches Layout haben. Die Lernenden werden dann nicht durch unterschiedliche Ansichten, Plattformen oder Links verwirrt und die Orientierung wird erheblich erleichtert.
  • Haben Sie viele Außendienstmitarbeiter, sollten diese die Möglichkeit haben, die Lerninhalte mobil abrufen zu können.
  • Wollen Sie das LMS zur Bereitstellung von Pflichtunterweisungen nutzen, sollte es entsprechende Berichtsfunktionen und Statistikfunktionen umfassen.
  • Fragen Sie, ob sich die Sprache der Benutzeroberfläche ändern lässt, so dass die Lernenden ihre Benutzersprache auswählen können. Dies ist wichtig, wenn es sich um ein international tätiges Unternehmen mit mehreren Standorten weltweit handelt. Klären Sie zudem den Umfang der mitgelieferten Sprachdateien.
  • Fragen Sie nach einer kostenfreien Testversion, so dass Sie ausprobieren können, ob das LMS Ihren Anforderungen entspricht.
  • Sie sollten ebenfalls erfragen, ob die Software einfach zu aktualisieren ist und ob sie in der Lage ist, andere Technologien und Tools zu integrieren.
  • Gibt es einen automatischen Qualitätscheck für die Erstellung der Lerninhalte? Zeigt die Software an, falls bestimmte Schritte der Aufnahme fehlerhaft sind?
  • Klären Sie im Vorfeld, wie welcher bestehende Content wann in das neue System migriert werden soll. So können Sie den LSM System Anbieter fragen, ob eine Übernahme dieser Daten problemlos möglich ist.
  • Gibt es eine direkte Kompatibilität mit SAP? Können Aufnahmeeinstellungen direkt für SAP generiert werden?
  • Wie umfangreich sind die Bearbeitungsmöglichkeiten im Autorentool? Können beispielsweise alle Elemente auch jeweils individuell in andere Aktionen geändert werden? Können vollständig neue Schritte manuell generiert und eingefügt werden?
  • Ist ein Single Source Publishing möglich? D.h. können aus einer Ursprungsdatei gleichzeitig viele Ausgabeformate generiert werden?
  • Gibt es eine automatische Übersetzungsfunktion der Dokumente? Wenn ja, für wieviele und welche Sprachen?
  • Fragen Sie nach, welche Einschreibemethoden bzw. Anmeldefunktionen die Software unterstützt. So sollten Optionen für offenen und kennwortgeschützten Kursen ebenso vorhanden sein, wie die Option die Nutzerverwaltung und die Einschreibung automatisch aus bestehenden Softwaresystemen Ihres Unternehmens zu übernehmen.
  • Achten Sie bei einem LMS System auf eine nutzerfreundliche Bedienung. So schaffen Sie einen zusätzlichen Anreiz für die Benutzung des Systems.
  • Wenn Sie hohe Sicherheitsstandards in Ihrem Unternehmen anlegen, lassen Sie sich ausführlich die Sicherheitsfunnktionen des LMS erläutern. Dazu gehören auch die Sicherheitsfunktionen bei einer Speicherung von Daten in einer Cloud. Hierbei müssen Sie zusätzlich auch die Datenschutzbestimmungen in Betracht ziehen.